Während die Grundversicherung für den Krankenversicherungsschutz in der Schweiz obligatorisch ist, kann jeder Bürger selbst darüber entscheiden, ob der persönliche Schutz durch eine Zusatzversicherung erweitert werden soll. Welche Zusatzversicherung sich dafür geeignet, ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Denn jeder Mensch hat andere Bedürfnisse und ist bereit, unterschiedlich viel Geld in den Extraschutz zu investieren.

Wie funktioniert eine Zusatzversicherung?

Die Zusatzversicherung deckt eine Reihe von Leistungen ab, die von der Grundversicherung nicht erstattet werden. Diese Leistungen umfassen je nach Absicherung Schutz im ambulanten oder stationären Bereich sowie die Möglichkeit, den Geltungsbereich des eigenen Krankenversicherungsschutzes zu erweitern. Die Beiträge für eine solche Zusatzversicherung richten sich einerseits nach dem Angebot des Versicherers und dem Leistungsumfang. Andererseits haben persönliche Faktoren wie Alter, Wohnort oder Gesundheitszustand starken Einfluss auf die Beitragshöhe.

Was zahlt die Grundversicherung nicht?

Die obligatorische Grundversicherung bietet eine ausreichende Grundversorgung im medizinischen Bereich für alle Schweizer Bürger und Menschen mit Wohnsitz in der Schweiz. Um kostendeckend zu arbeiten, kann die Grundversicherung allerdings nicht alle Leistungen decken. Zahnmedizinische Behandlungen sind beispielsweise im Regelfall ausgeschlossen und müssen selbst oder aus einer Zusatzversicherung beglichen werden.

Auch sind nicht alle Medikamente in der Grundversicherung eingeschlossen. Patienten, die eine weitergehende Versorgung haben und dabei möglichst wenig aus der eigenen Tasche bezahlen wollen, können mit einer Zusatzversicherung im ambulanten Bereich beispielsweise Komplementärmedizin abdecken oder mit einer Spitalversicherung einen stationären Aufenthalt angenehmer gestalten.

Ambulante Zusatzversicherung

Die ambulante Zusatzversicherung setzt sich aus einer Vielzahl von Leistungen zusammen, die in der Regel als Paketangebot mit verschiedenen Bestandteilen zur Verfügung stehen. Wenn Sie auf bestimmte Leistungsbestandteile besonderen Wert legen beziehungsweise manche Kostenerstattungen nicht benötigen, sollten Sie hier ganz genau auf die Konditionen achten. Auf diese Weise erhalten Sie die gewünschten Leistungen und verzichten gleichzeitig auf unnötigen Zusatzschutz.

Beachten sollten Sie bei der Zusatzversicherung jedoch, dass die Leistungen nicht selten auf einen Maximalbetrag im Jahr begrenzt sind. Wird dieser überschritten, müssen die Kosten für die zusätzlichen Leistungen wieder selbst beglichen werden. Sie wollen Überblick über Maximalbeiträge, Leistungen und Prämienhöhe?

Diese Leistungen können beispielsweise über die ambulante Zusatzversicherung versichert werden:

Brillen und Kontaktlinsen

Untersuchungen beim Augenarzt zur Kontrolle oder Vorsorge werden von der Grundversicherung erstattet. Brillen und Kontaktlinsen werden jedoch nicht mehr durch die Grundversicherung abgedeckt. Nur wenn eine Sehhilfe infolge bestimmter Erkrankungen (zum Beispiel Grauer Star) erforderlich wird, kommt die Grundversicherung für einen bestimmten Kostenbeitrag auf. Kinder und Jugendliche bis 17 Jahre erhalten seit 2012 wieder 180 Franken für Sehhilfen, wenn diese von einem Arzt verordnet werden. Wenn Sie umfangreichere Leistungen für Brillen oder Kontaktlinsen wünschen, kann eine entsprechende ambulante Zusatzversicherung Abhilfe verschaffen.

Medikamente

Medikamente werden in verschiedenen Listen geführt, die bestimmen, ob die Grundversicherung für die Kosten aufkommt. Für sogenannte nichtpflichtige beziehungsweise nichtlistenpflichtige Arzneien (NLP) und Präparate der Komplementärmedizin (KM) gibt es dabei in der Regel keine Erstattung. Wer jedoch auf solche Medikamente nicht verzichten kann oder will, beziehungsweise Zahlungen aus der eigenen Tasche satt hat, erhält mit einer Zusatzversicherung die Möglichkeit, diese Medikamente zu versichern. Naturheilkundliche Präparate der Komplementär Medizin-Liste sind dabei meist mit dem Baustein Komplementär-Medizin abgedeckt.

Zahnbehandlungen und Zahnersatz

Zahnbehandlungen werden von der Grundversicherung nur dann übernommen, wenn diese durch einen Unfall oder eine schwere Erkrankung notwendig sind. Auch dann werden die Kosten für beispielsweise Prothesen nur erstattet, wenn sie einen wesentlichen Teil der Eingliederungsmassnahmen bilden. Da gerade für Zahnbehandlungen und Zahnersatz jedoch hohe Kosten anfallen können, empfiehlt sich eine Zahn-Zusatzversicherung. Diese begleicht die Zahnarztrechnungen ganz oder bis zu einem bestimmten Prozentsatz, beispielsweise Zahnbehandlungen zu 100 Prozent, Zahnersatz zu 80 Prozent. Oftmals sind dabei jährliche Höchstgrenzen zu beachten.

Psychotherapie

Die Grundversicherung zahlt für ärztlich durchgeführte psychotherapeutische Behandlungen beziehungsweise für durch einen Arzt delegierte Behandlungen an einen psychologischen Psychotherapeuten derselben Praxis. Viele psychologische Psychotherapeuten arbeiten jedoch selbstständig. Behandlungen durch diese erstattet die Grundversicherung nicht. Allerdings lässt sich auch Psychotherapie über eine Zusatzversicherung versichern. Dadurch erhalten Patienten eine grössere Auswahl unter den Therapeuten und Zugriff auf jene mit passenderen Spezialisierungen. In welchem Umfang Behandlungen übernommen werden, hängt von der jeweiligen Zusatzversicherung ab.

Hauskrankenpflege, Haushaltshilfen und Kosten für das Pflegeheim

Die spitalexterne Hilfe und Pflege, kurz Spitex, umfasst in der Grundversicherung die ärztlich verordnete Hauskrankenpflege. Diese kann durch einen Pfleger der Spitex-Organisationen oder aber durch eine selbstständige Schwester erfolgen. Bei einer Pflege im Heim beteiligt sich die Grundversicherung ebenfalls an den Behandlungskosten. Andere Leistungen müssen vom Pflegebedürftigen selbst oder aus einer Zusatzversicherung geleistet werden. Die Zusatzversicherung übernimmt je nach Vertrag die Kosten für Akut- und Übergangspflege, die ärztlich verordnete Haushaltshilfe, den Mahlzeitendienst und die Hotelleriekosten bei einem Heimaufenthalt.

Alternative Behandlungsmethoden/Komplementärmedizin

Seit 2012 werden wieder einige komplementär-medizinische Behandlungsmethoden von der Grundversicherung übernommen. Dabei handelt es sich um Homöopathie, anthroposophische Medizin, Phytotherapie, Neuraltherapie und traditionelle chinesische Medizin (TCM). Die Vergütung ist allerdings vorerst bis Ende 2017 begrenzt. Erstattet werden dabei nur Behandlungen, die durch einen Arzt mit der Zusatzausbildung Komplementärmedizin durchgeführt werden. Viele Therapeuten haben zwar eine solche Ausbildung, sind aber keine Ärzte. Hier leistet die Zusatzversicherung, die darüber hinaus auch anfallende Kosten für andere alternative Heilmethoden erstattet.

Gesundheitsförderung

Im Bereich der Gesundheitsförderung übernehmen einige Zusatzversicherungen sehr umfangreiche Leistungen. So kann beispielsweise der Mitgliedsbeitrag für das Fitnesscenter genauso erstattet werden, wie die Verhütung für die Frau sowie Schwangerschaftsgymnastik oder Babyschwimmen.

Weitere Leistungen der ambulanten Zusatzversicherung

Neben den genannten Bausteinen einer Zusatzversicherung gibt es weitere Angebote etwa zum Auslandskrankenschutz oder Notfalltransport sowie Rettungs- und Bergungskosten. Meist werden die Bausteine nicht einzeln, sondern als Paket abgeschlossen. Beim Vergleich der unterschiedlichen Varianten sollte daher genau auf den Leistungsumfang und das entsprechende Preis-Leistungs-Verhältnis geachtet werden. Wenn Sie sich nicht sicher sind, welches Paket zu Ihren Bedürfnissen passt, dann fordern Sie ein kostenloses Angebot zur Zusatzversicherung an!

Spital Zusatzversicherung

Eine Zusatzversicherung für das Spital ermöglicht stationäre Leistungen, die die Grundversicherung nicht bieten kann. Dabei lässt sich zwischen verschiedenen Formen der Absicherung unterscheiden.

Die sogenannte „Allgemeine Abteilung ganze Schweiz“ hat seit 2012 durch neue Regelungen bei der obligatorischen Grundversicherung an Bedeutung verloren. Ursprünglich sollte sie die Behandlung in Spitälern ausserhalb des eigenen Kantons abdecken, was durch die Grundversicherung nicht abgedeckt war. Inzwischen müssen Patienten nur noch selbst Kosten begleichen, wenn die Fallpauschale im Kanton des entsprechenden Spitals höher ist als im Wohnkanton. Eine Zusatzversicherung Allgemeine Abteilung ist daher nur noch sinnvoll, wenn die Pauschalen im eigenen Kanton im Vergleich zur restlichen Schweiz sehr niedrig sind.

Weit sinnvoller sind die Zusatzversicherungen halbprivate oder private Abteilung ganze Schweiz. Diese sichern dem Versicherten die Bezahlung eines Zweitbett- beziehungsweise Einbettzimmers und die Behandlung durch den Oberarzt oder Chefarzt. Darüber hinaus gibt es Flex-Modelle, bei denen sich der Patient erst bei Beginn des Spitalaufenthalts für die eine oder andere Abteilung entscheidet. Entsprechend der Kosten für die jeweilige Abteilung wird dabei eine geringere oder höhere Selbstbeteiligung fällig.